OhLife shuts down

Eine sehr schöne Sache, die mich über das letzte Jahr begleitet hat, geht heute ihrem Ende zu: „OhLife!“ (http://ohlife.com/), ein Online-Dienst, der einem jeden Tag in einer Email die Frage stellte „How did your day go?“. Man antwortete ganz normal wie auf jede andere Mail, schrieb seine Gedanken nieder, drückte auf „Senden“ und fertig.

Das Besondere war aber nicht diese eine Frage, obwohl es zweifelsohne schön war, jeden Tag von jemandem gefragt zu werden, wie denn Dein Tag so war. Das Besondere war, dass in diesen Emails auch immer ein Eintrag zu lesen war, den man vor einer Woche, einem Monat oder auch einfach nur x Tagen geschrieben hat.

Das sah dann zum Beispiel so aus:

OhLife! Mail

Ich habe nie sehr lange Antworten geschrieben, meist nur zwei bis drei Sätze, kurz vor dem zu Bett gehen. Aber ich habe versucht, möglichst immer etwas Positives zu antworten. Und so waren die Rückblicke in den Mails stets sehr bestärkend und heiterten mich auf, auch wenn ich mal einen nicht so guten Tag hatte und sie am Abend in meinem Posteingang lagen.

Man bekam in kleinen Häppchen täglich einen der vielen Momente zurück, die man über die letzten Monate gesammelt hatte.

Ich schreibe ja auch Tagebuch – oder „Morgenseiten“, nach Julia Cameron – aber „OhLife!“ war irgendwie was anderes. Kleine Blitzgedanken, Schnappschüsse von Momenten, die man so vielleicht gar nicht niederschreiben würde.

Daher bin ich auch etwas traurig, dass das nun zu Ende geht. Gleichzeitig bin ich aber auch dankbar für das eine Jahr, in dem mich „OhLife!“ begleitet hat. Meine „Mails“ konnte ich noch als Textdateien speichern, bevor sie die Seite geschlossen habe. Außerdem befinden sich alle auch noch im „Gesendet“-Ordner von Gmail – praktisch! :)

Danke für die schöne Zeit, OhLife!
Danke für’s Festhalten der schönen Zeit…!

Gegenwartsmomente

Manchmal gilt es einfach innezuhalten, zu lauschen und all die Gedanken, die Ereignisse eines Tages beiseite zu schieben. Manchmal kommt von irgendwoher ein Impuls, ein Bild, ein Song, eine Begegnung vor Deinen Augen, die Dich einfach alles andere vergessen lässt. Du merkst plötzlich, dass Du in der Gegenwart bist, Deine Gedanken schwirren nicht mehr umher, denken nicht mehr an das Vergangene oder ein Morgen, das noch gar nicht da ist. Es fühlt sich erst sehr seltsam an und Du erschrickst, weil Du gar nicht weißt, wann Du das letzte Mal so gefühlt hast. So selten sind wir im Moment, dass sich die Gegenwart schon unnatürlich anfühlt.

Vorsichtig lässt Du dich drauf ein, willst das Gefühl nicht verlieren. Ein Vertrauen, dass alles in Ordnung ist. Die Sicherheit, dass Du, gerade so wie Du jetzt bist, am richtigen Weg bist, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit. Eins mit allem, was Dich umgibt.

Du lässt Dich fallen, aber Du schwebst im Moment. Eine Schwerelosigkeit, die alles vergessen lässt. Die Klänge tragen Dich vorsichtig fort, in eine andere Welt.

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Nils Frahm spielt am kommenden Freitag, 12.09.2014, im Treibhaus Innsbruck.
Weitere Termine unter http://www.nilsfrahm.com/concerts/