Schnappschuss#1

Der Herbst und seine Farben, das intensive, warme Licht und die markanten Schatten der am Morgen noch so tiefstehenden Sonne lassen mich zurzeit auf meinem Weg zur Arbeit sehr oft das iPhone zücken und einfach einen Schnappschuss machen.

Snapshot1

Wahrscheinlich sehe ich zurzeit auch mehr Dinge, die ich irgendwie für mich festhalten möchte. Der Herbst lässt mich innerlich ruhiger werden, bringt mich dazu, langsamer und bedachter vorwärts zu gehen – sowohl physisch, in meiner Art mich zu bewegen, als auch wie ich mich von meinen Gedanken leiten lasse.

OhLife shuts down

Eine sehr schöne Sache, die mich über das letzte Jahr begleitet hat, geht heute ihrem Ende zu: „OhLife!“ (http://ohlife.com/), ein Online-Dienst, der einem jeden Tag in einer Email die Frage stellte „How did your day go?“. Man antwortete ganz normal wie auf jede andere Mail, schrieb seine Gedanken nieder, drückte auf „Senden“ und fertig.

Das Besondere war aber nicht diese eine Frage, obwohl es zweifelsohne schön war, jeden Tag von jemandem gefragt zu werden, wie denn Dein Tag so war. Das Besondere war, dass in diesen Emails auch immer ein Eintrag zu lesen war, den man vor einer Woche, einem Monat oder auch einfach nur x Tagen geschrieben hat.

Das sah dann zum Beispiel so aus:

OhLife! Mail

Ich habe nie sehr lange Antworten geschrieben, meist nur zwei bis drei Sätze, kurz vor dem zu Bett gehen. Aber ich habe versucht, möglichst immer etwas Positives zu antworten. Und so waren die Rückblicke in den Mails stets sehr bestärkend und heiterten mich auf, auch wenn ich mal einen nicht so guten Tag hatte und sie am Abend in meinem Posteingang lagen.

Man bekam in kleinen Häppchen täglich einen der vielen Momente zurück, die man über die letzten Monate gesammelt hatte.

Ich schreibe ja auch Tagebuch – oder „Morgenseiten“, nach Julia Cameron – aber „OhLife!“ war irgendwie was anderes. Kleine Blitzgedanken, Schnappschüsse von Momenten, die man so vielleicht gar nicht niederschreiben würde.

Daher bin ich auch etwas traurig, dass das nun zu Ende geht. Gleichzeitig bin ich aber auch dankbar für das eine Jahr, in dem mich „OhLife!“ begleitet hat. Meine „Mails“ konnte ich noch als Textdateien speichern, bevor sie die Seite geschlossen habe. Außerdem befinden sich alle auch noch im „Gesendet“-Ordner von Gmail – praktisch! :)

Danke für die schöne Zeit, OhLife!
Danke für’s Festhalten der schönen Zeit…!

Im Inneren der Seifenblase

Bei einem Spaziergang heute Vormittag durch die Innsbrucker Altstadt traf ich auf einen Mann, der alle, die an ihm vorbeikamen, in seinen Bann zog. Lediglich mit zwei Bambusstöcken, einer Schnur und einem Eimer Seifenwasser schaffte er es, jedem Vorbeikommenden ein Stückchen Glück ins Gesicht zu zaubern. Man musste einfach kurz stehenbleiben und sich die gigantischen Seifenblasen ansehen, die er hier mitten im sonstigen Trubel der Altstadt erschuf.

Riesen-Seifenblasen in der Altstadt von Innsbruck

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Riesen-Seifenblasen in der Altstadt von Innsbruck

Riesen-Seifenblasen in der Altstadt von Innsbruck

Seifenblasen gehören wohl zu den Dingen, denen sich niemand so wirklich entziehen kann. Sie üben eine ganz eigene Faszination auf jeden Menschen aus, egal ob jung oder alt. Vielleicht weil sie ein klein wenig nicht von dieser Welt sind, nicht greifbar, mit all ihren Farben, Größen und (im heutigen Fall) auch Formen die sie annehmen können.

Und auch mich verzauberten sie vollends, als ich die Chance bekam, Bilder über den Rücken des Künstlers zu machen, quasi aus dem Inneren der Seifenblase heraus:

Riesen-Seifenblasen in der Altstadt von Innsbruck  Riesen-Seifenblasen in der Altstadt von Innsbruck  Riesen-Seifenblasen in der Altstadt von Innsbruck

Gegenwartsmomente

Manchmal gilt es einfach innezuhalten, zu lauschen und all die Gedanken, die Ereignisse eines Tages beiseite zu schieben. Manchmal kommt von irgendwoher ein Impuls, ein Bild, ein Song, eine Begegnung vor Deinen Augen, die Dich einfach alles andere vergessen lässt. Du merkst plötzlich, dass Du in der Gegenwart bist, Deine Gedanken schwirren nicht mehr umher, denken nicht mehr an das Vergangene oder ein Morgen, das noch gar nicht da ist. Es fühlt sich erst sehr seltsam an und Du erschrickst, weil Du gar nicht weißt, wann Du das letzte Mal so gefühlt hast. So selten sind wir im Moment, dass sich die Gegenwart schon unnatürlich anfühlt.

Vorsichtig lässt Du dich drauf ein, willst das Gefühl nicht verlieren. Ein Vertrauen, dass alles in Ordnung ist. Die Sicherheit, dass Du, gerade so wie Du jetzt bist, am richtigen Weg bist, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit. Eins mit allem, was Dich umgibt.

Du lässt Dich fallen, aber Du schwebst im Moment. Eine Schwerelosigkeit, die alles vergessen lässt. Die Klänge tragen Dich vorsichtig fort, in eine andere Welt.

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Nils Frahm spielt am kommenden Freitag, 12.09.2014, im Treibhaus Innsbruck.
Weitere Termine unter http://www.nilsfrahm.com/concerts/